150 Hektar Wasserfläche im Duisburger Süden – die Sechs-Seen-Platte
Duisburg ist für viele Menschen von außerhalb die “Stadt Montan”, eine Stadt, die seit jeher mit Kohle und vor allem Stahl in Verbindung gebracht wird. Kommen diese Besucher der Stadt ein wenig näher, entdecken sie überrascht ausgedehnte Waldgebiete und große Wasserflächen, bestehend aus Rhein, Ruhr, den Häfen und einer Vielzahl von ehemaligen Baggerseen. Insgesamt bestehen 10 Prozent der Stadtfläche Duisburgs aus Wasserflächen!
Die Sechs-Seen-Platte
Das mit Abstand größte Stillgewässer in Duisburg ist die Sechs-Seen-Platte. Einst gebaut, um den enormen Bedarf an Kies und Sand zu decken, den der Bau der Eisenbahnersiedlungen Bissingheim und Wedau erforderte, mauserte sich die ehemalige Waldfläche zum Kleinod für Erholungssuchende aus der gesamten Region. Inmitten des Stadtwaldes an der Grenze zu Wedau gelegen, bietet die SSP vielfältige Freizeitmöglichkeiten – u.a. auch zum Fischen. Die Möglichkeiten sind hierbei weit und breit einzigartig. Allerdings ist das Gewässer – wie viele andere Großgewässer – am Anfang nicht immer leicht zu befischen. Sicher, der hervorragende Weißfischbestand sollte den Fang von ein paar Rotaugen auch dem Neuling nicht schwer machen und der überdurchschnittlich gute Bestand an Hechten wird andauernde Schneidertage auch unmöglich machen. Der Fang von Karpfen, Zandern und vor allem Schleien ist jedoch ohne Gewässerkenntnisse nicht so einfach. Es gibt einfach zu viele “gute Stellen” – einige sieht man, andere nicht…
Der Stadtverband der Sportfischer 1954 e.V. Duisburg möchte interessierten Anglern deshalb das Gewässer vorstellen und auch einige Tipps zum erfolgreichen Angeln geben. Wir bewirtschaften das Gewässer immerhin seit 1954 und haben die andauernden Veränderungen (Auskiesungen, Renaturierungen, Gewässer verbessernde Maßnahmen) miterlebt und auch immer wieder unsere Fische “wiedergefunden”, die sich natürlich an veränderte Bedingungen angepasst haben.
Mittlerweile sind die Auskiesungen beendet, die Renaturierungen abgeschlossen und die Veränderungen nicht mehr so gravierend. Wir können uns also auf stabile Verhältnisse freuen und werden doch aufgrund der natürlichen Gewässerdynamik einige Überraschungen erwarten dürfen. Wir möchten als erstes das Gewässer einmal vorstellen.
Das Gewässer – Sechs-Drei = Vier
Wenn jemand auf der Karte von Duisburg nach der Sechs-Seen-Platte sucht, wird er sich wundern, dass diese eigentlich nur aus vier Seen besteht, von denen fünf den Anglern zur Verfügung stehen. Muss man das verstehen???
- Der Reihe nach:
Wambachsee (See 1)
Der Wambachsee ist ein einzelner See, gut per ÖPNV zu erreichen und für den Barsch-, Hecht- und Karpfenspezialisten ungeheuer interessant. Allerdings ist dieses Gewässer auch nicht einfach zu beangeln:
- Etwa die Hälfte des Ufers ist in Privatbesitz. Diese bevorzugte Wohnlage erscheint aus anglerischer Sicht erst einmal ärgerlich, da weite Strecken nicht befischt werden können. In der Realität erweist sich dieser Umstand aber als Segen. Hier hat der Fisch Ruhe- und Laichgebiete und der nicht vorhandene Angeldruck sorgt für ein enormes Abwachsen der Fische. Unter Kennern ist der See für Monsterbarsche, sehr große Hechte und Karpfen von weit über 40 Pfund bekannt.
- Diese zu fangen ist aber nicht einfach, da der See im Sommer stark verkrautet ist und überhängende Büsche das Angeln nicht unbedingt erleichtern. Wer aber mit diesen Bedingungen klar kommt, wird tolle Fische fangen …
- Wer am Wambachsee angelt, sollte immer die Tiefe im Auge behalten. Dieses an sich recht tiefe Gewässer besitzt eine Vielzahl von Barschbergen, Untiefen und Sandbänken – teilweise mitten im See. Was das bedeutet brauchen wir Karpfenexperten und Raubfischfreaks wohl nicht zu erklären!!!
Böllertsee (See 4)
Der Böllertsee ist weit und breit eine Besonderheit. Im Zuge der letzten Auskiesungsmaßnahmen der Firma Elskes wurde die Verbindung zum Wolfssee durch einen begehbaren Damm zugeschüttet und der See ist lediglich durch ein unterirdisches Rohr mit den anderen Seen verbunden. Außerdem erfolgten im Zuge der Auskiesungen umfangreiche Renaturierungsarbeiten, die das Gewässer für den Angler höchst interessant machen:
- Das Gewässer besitzt seit Jahren ausgedehnte, bewachsene Flachzonen und abgesperrte Uferbereiche. Im nördlichen Bereich ist der Uferbewuchs dermaßen dicht, dass überhängende Büsche und abgestorbene Bäume ins Wasser hängen. Diese Gegebenheiten machen den Böllertsee zu einem ausgesprochenen Hecht- und Schleiengewässer. Vor allem den Schleien-Spezialisten sei der Absatz “Schleie” dieser Seite sehr ans Herz gelegt. Es lohnt sich!
Masurensee / Wolfssee / Wildförstersee
Diese drei “Seen” bilden zusammen das größte Gewässer der “Sechs-Seen-Platte”. Während die ersten beiden schon lange in der jetzigen Form bestehen, wurde der Wildförstersee in den 1990er Jahren komplett umgestaltet, da hier noch einmal ausgekiest wurde – nicht zum Nachteil der Natur:
- Im Masuren- und Wolfssee finden sich traumhafte Bedingungen für alle Angelfreunde. Bedingt durch die Größe, unterschiedlich Wassertiefen und unzähligen Barschbergen, Sandbänken, Abbruchkanten und tiefen Stellen, fühlen sich hier viele Fischarten zuhause. Die unterschiedliche Gewässerstruktur ist ein Grund, warum die Sechs-Seen-Platte vor allem bei Raubfischanglern so berühmt geworden ist. In den letzten Jahrzehnten wurden hier viele und auch große Raubfische gefangen. Mehr dazu in den Rubriken Barsch / Hecht/ Zander.
Haubachsee (See 6)
Dieser See entstand erst in den 1990er Jahren und wurde umfangreich renaturiert. Die Arbeiten sind richtungsweisend für die Behandlung ehemaliger Kiesgruben und wurden mit dem “Europäischen Preis der Kiesindustrie” ausgezeichnet. Ausgedehnte Flachwasserbereiche und offene Uferflächen für seltene Tierarten sind an diesem Gewässer großflächig vorhanden. Hier “brummt” die Natur – und der Mensch bleibt außen vor.
Wir bitten diese Schutzzone der Natur zu überlassen. Das Betreten ist strengstens verboten und wird von den Fischereiaufsehern und der Stadt Duisburg streng geahndet. Die Natur muss auch mal Ruhe vor dem Menschen haben…
Fischbesatz – ein Dauerthema
Der Spagat zwischen Anglerglück und ökologischer Verantwortung
Angler fangen selektiv Fisch.
Fischarten, die gut in der Küche verwendet werden können, werden gezielt gefangen und andere Arten, häufig mit vielen Gräten und weicherem Fleisch, werden vom Angler nicht gezielt beangelt und dem Gewässer nicht entnommen. Da dieser gezielte Fang der “Edelfische” zu einem ökologischen Ungleichgewicht führen würde, setzt der Stadtverband der Sportfischer 1954 e.V. Duisburg gezielt Fische ein, die sonst in ihrer Zahl abnehmen würden. Dies kann zum einen an der Entnahme durch Angler liegen. Allerdings haben es aber auch einige heimische Fischarten (Schleie, Karpfen, Zander) schwer, sich unter den Bedingungen eines Baggersees artgemäß zu vermehren. Dieses vom Angler verursachte Ungleichgewicht gleichen wir durch Besatzmaßnahmen wieder aus. Es ist aber nicht gewollt, den Fischbestand künstlich zu erhöhen, um mehr Fische fangen zu können. Solche Maßnahmen erinnern mehr an einen kommerziellen Forellenteich – wir sind uns auch der ökologischen Bedeutung unsere Arbeit bewusst.
Der Fischbesatz erfolgt streng nach den Besatzleitlinien des Landes NRW!
- Hecht
Es ist mittlerweile wissenschaftlich erwiesen, dass in hechtreichen Gewässern der Bestand durch Besatzmaßnahmen nicht erhöht werden kann, sofern die Hechte gute Laichbedingungen und Unterstände haben. Da dies bei uns der Fall ist, setzen wir seit vielen Jahren keine Hechte mehr ein – und der Bestand ist hervorragend. Der größte Hecht der letzten Jahre erreichte eine Länge von 1,35 Meter. - Weißfische
Bei den sogenannten Massenfischarten ist ein Besatz ebenfalls nicht nötig, da sich Rotauge, Brassen und Co bis an die Grenze der Belastbarkeit des Gewässers vermehren. Ein zusätzlicher Besatz ist nach wenigen Jahren “verpufft”. Warum sollten wir bei unserem sehr guten Weißfischbestand Geld dafür ausgeben? - Barsch
Immer wieder habe ich in meiner Zeit als stellvertretender Fischereiberater der Stadt Duisburg das Argument der “Verbuttung” gehört und das “frisches Blut” durch Barschbesatz ins Gewässer kommen muss. Nach wissenschaftlichen Untersuchungen ist es mittlerweile bekannt, dass ein Großteil der Flussbarsche NIE über 25cm Länge erreichen wird und nur ein Bruchteil wirklich groß wird. In einem Versuchsteich wurden unter perfekten Bedingungen einjährige Barsche abgefischt. Neben den normalen Größen wurden Fische bis zu 19cm gefunden. Im ersten Jahr. Diese späteren Großbarsche kommen in jeder Population vor, die genug Futter findet. Ein Besatz ist daher nicht notwendig. Wir fangen sehr große Barsche. - Zander
Beim Zander sieht die Sache anders aus. Als typischer Fisch des wärmeren Wassers hat er in Baggerseen häufig zur Laichzeit nicht die optimalen Temperaturen. Zusätzlich gibt es das Problem, dass in dieser Zeit häufig zu wenig Plankton im Wasser schwimmt und die Zanderbrut zu wenig zu fressen findet. Als Folge sterben viele Kleinstzander an einem Kiemenpilz (Schwächeparasit). Da der Zander aber mittlerweile als eingebürgerter Fisch in Deutschland heimisch ist und für viele Angler DER Zielfisch ist, müssen wir den Bestand durch den Besatz von Jungzandern stützen. Wir besetzen seit Jahren regelmäßig den Masuren-/ Wolfs-/ Wildförstersee. Die anderen Seen bleiben Hechtrevier. - Karpfen und Schleie – Jetzt wird’s schwierig.
In den letzten 20 Jahren boomt die Fischerei auf Großkarpfen. Die gefangenen Fische werden immer größer und auch der “Normalangler” kann diese Fische nicht in der Küche verwerten. Viele Karpfenprofis praktizieren deshalb die in Deutschland nicht erlaubte Praxis des “Catch& Release” und setzen die Fische wieder in den See. Diese Praxis führt im Gewässer aber dazu, dass die ehemals eingesetzten Karpfen nicht “weniger” werden sondern durch ein gutes Abwachsen von der Biomasse her eher “mehr”. Was vielen Anglern aber nicht bewusst ist, kann ein übermäßiger Besatz einem Gewässer schaden, da der Karpfen, wenn der Besatz zu groß ist, Weißfische verdrängt. Einige Gewässer sind dadurch schon aus dem Ungleichgewicht gekommen.Wir besetzen Karpfen. Ja. Die letzten Fische sind im Jahr 2014 in das Gewässer bekommen. Von einem jährlichen Besatz nehmen wir jedoch Abstand, da ein Großteil der Fische nicht entnommen wird und der Besatz damit mehr als ausreichend ist. Im Frühjahr sind an einigen Stellen im Flachwasser über 40 Großkarpfen zu beobachten. Den normalen Verlust dieser alten Tiere gleichen wir aus. In den letzten Jahren auch häufig mit der Wildform, die sich hoffentlich bei geringeren Temperaturen vermehrt. Dann hat es die Natur in der Hand.
Der Karpfenbestand in der Sechs-Seen-Platte wird also weiterhin sehr gut bleiben. Massive Besatzmaßnahmen dürfen wir aber bei dieser Fischart nicht durchführen.
Ein weiteres Problem ist das Nebeneinander von Karpfen und Schleie. Da diese Fische eine sehr ähnliche Lebensweise haben, kommt die Schleie dabei zu kurz. Diejenigen, die in den letzten Jahren die Ausbildung zum Gewässerwart in Ahlbaum gemacht haben, kennen wahrscheinlich die kämpferische Aussage des damaligen Fischereidezernenten Dr. Mellin “Wenn Sie jedes Jahr Schleien besetzen und keine mehr wieder fangen. Warum tun Sie das?”. Aus diesem Grund besetzen wir seit Jahren Karpfen und Schleien in getrennte Gewässer. Der Böllertsee wird mit Schleien besetzt – Masuren-/ Wolfs-/ und Wildförstersee mit Karpfen. In den nächsten Jahren auch wieder der Wambachsee.
Die Schleienfänge der letzten Jahre geben uns Recht. Wir kennen kein Gewässer im Umkreis, indem gezielt so gut auf Schleie gefischt werden kann wie im Böllertsee. Natürlich mit den üblichen Problem dieser sensiblen und vorsichtigen Fischart. Mühe geben muss man sich schon…
